Die Geschichte einer einsamen Seele

Liebe LeserInnen,

kennen Sie das Gefühl, wenn man unerwünscht ist? Es ist ein ganz furchtbares Gefühl, dass in der Brust sticht und einen ganz kalt zurücklässt. Wenn man es über längere Zeit zu spüren bekommt, dann beginnt man, sich zurück zu ziehen und möchte niemanden mehr an sich heranlassen.
Unser Casi hat sehr oft und lange zu spüren bekommen, dass ihn niemand haben wollte. Er lief im Dorf Warnow streunend umher, hungrig und in einem schlechten Zustand. Menschen wie Katzen verscheuchten den schwarz-weißen Kater immer wieder. Eine Bürgerin wurde auf ihn aufmerksam, fütterte ihn und behielt ihn im Auge. Als er immer öfter mit offenen Bisswunden am Futterplatz erschien, war sie alarmiert und suchte dringend Hilfe. Casi musste von der Straße! Auch hier gestaltete sich die Suche nach einem Platz schwierig, niemand wollte den verletzten Kater aufnehmen. Schließlich wandte sie sich an uns. Wir berieten uns und fassten den Entschluss, ihn einzufangen. Wir stellten also Fallen auf und warteten, dass der Kater sich hinein traute. Im Oktober letzten Jahres dann der Erfolg: die Falle klappte zu und Casi war endlich in Sicherheit!
Wir brachten ihn in einem Außengehege unter, um ihn am Anfang nicht noch mehr zu stressen, als unbedingt notwendig. Wir fütterten ihn und versorgten seine Wunden, doch Casi wollte nichts mit uns zu tun haben. Wenn jemand das Gehege betrat, versteckte er sich und fauchte denjenigen böse an. An anfassen oder streicheln war gar nicht zu denken, doch wir gaben nicht auf. Wir wollten erreichen, dass er wenigstens wieder etwas Vertrauen in den Menschen fasste. Dabei half uns ein kleiner Zufall: Bei einem seiner Tierarztbesuche wurde eine Frau auf ihn aufmerksam, die als Tiertherapeutin arbeitet. Nachdem wir ihr Casis Geschichte erzählt hatten, wollte sie ihm helfen. So zog er Anfang Januar zu ihr und sie betreut ihn seitdem als Pflegestelle. Ihr gelang nach kurzer Zeit auch das, was wir glaubten, nicht so schnell erreichen zu können: Casi begann ihr zu vertrauen und ließ sich berühren. Wir waren ganz aus dem Häuschen und wussten: unsere Entscheidung war richtig gewesen. Jetzt arbeitet seine Pflege-Dosenöffnerin jeden Tag mit ihm, um ihm Stück für Stück das Vertrauen in den Menschen zurück zu geben und ihn all den Schmerz vergessen zu lassen, den er erlebt hat. Es wird wohl nur in kleinen Schritten gehen, doch sie ist zuversichtlich, dass Casi in der Zukunft bereit sein wird, in ein Für-Immer-Zuhause vermittelt zu werden. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten und berichten, welche Fortschritte Casi macht und wann er vermittelt werden kann.

An dieser Stelle haben wir noch eine kleine Bitte: wenn Sie in Ihrer Nachbarschaft verwahrloste, hungrige und verletzte Tiere sehen, seien es Katzen, Hunde, Pferde oder was für Tiere auch immer, schauen Sie bitte nicht weg.
Wenden Sie sich an das zuständige Veterinär- oder Ordnungsamt und suchen Sie Beratung und Unterstützung beim ansässigen Tierschutzverein. Wenn Sie diese Tiere melden, steigt ihre Chance auf Rettung enorm. Nur durch die stille Duldung der Anwohner kann es zur Bildung von Katzenkolonien kommen oder aber für einen Kettenhund oder ein verwahrlostes Pony kommt jede Hilfe zu spät. Eine E-Mail oder ein Anruf können Tierleben retten. Fassen Sie sich ein Herz und schauen Sie hin.

Ihr Tierschutzverein Güstrow

Unsere Notrufnummer: 0151-50876872

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